Gedanken zur Nacht – Der Anfang vom Ende

Gedanken zur Nacht

Oft gehe ich spät abends alleine in den Garten,
stelle mich genau in die Mitte,
und schaue zum Mond hinauf.
Ich lasse einfach die Gedanken fliegen,
den Tag Revue passieren,
das Tagewerk betrachten oder einfach den Moment geniessen.

Anfangs war es mir nicht bewusst,
aber ich war nie allein in diesen Momenten.

Ich musste erst lernen,
auch die kleinen Dinge zu hören
die es neben dem Großstadtlärm,
dem Grundrauschen der Autobahn,
dem Rattern der S-Bahn in Wittenau und den Flugzeugen gibt.

Da gab es eine Stimme,
eine Stimme,
die immer wieder in die Nacht rief,
da war jemand,
der in diesen Moment genau wie ich,
allein in diesen Nächten war.

Immer und immer wieder,
hörte ich diese Stimme,
die da rief „Huh-Huhuhu-Huuuh“.

Diese Stimme wurde mein Freund,
lange überlegte ich wer dieser Freund wohl war,
der mich allabendlich begleitet,
wenn ich meinem Gedanken freien Lauf lasse.

Ich suchte und forschte,
bis ich – endlich,
den Namen meines Freundes kannte.

Es war ein Waldkauz,
ein Waldkauz der sich entschlossen hatte,
genau wie ich es mit meiner Familie damals getan habe,
die Siedlung Am Steinberg,
als einen Ort zu betrachten,
an dem es sich zu leben lohnt.

Es ist ein grüne Siedlung
eine Siedlung mit netten Menschen,
eine Siedlung mit Menschen die das Leben achten,
Menschen die sich für ein Leben in und mit der Natur entschieden haben.

Ein guter Platz zum Leben.

Je öfter wir uns abends im Garten getroffen haben,
desto größer wurde meine Verbundenheit,
zu meinem Freund dem Kauz.

Es war gut,
ihn seit dem jeden Abend zu hören,
wenn er seine Rufe in die Nacht schickte.

Es war gut zu wissen,
dass es ihm gut geht,
dass er genug zu fressen findet
und das er in unserer verdammten Menschenwelt,
einen Platz zum Leben gefunden hatte.

Einen Platz wo er Tier sein durfte
und niemand ihn vertreiben wollte.

Heute stehe ich schon die zweite Nacht im Garten,
seit den Baumfällungen – ist etwas passiert.
ich lausche angestrengt,
ich warte und hoffe.

Aber vergebens,
es bleibt still.

Nur das monotone Gedröhne der Großstadt ist noch zu hören.

Kein „Huh-Huhuhu-Huuuh“ mehr,
aus der Richtung der gefällten Bäume,
kein „Huh-Huhuhu-Huuuh“ das mir sagt,
“Hey alter Freund alles ist Ok,
ich bin da,
es geht mir gut”.

Die Nacht fühlt sich plötzlich so kalt an,
sie ist so leer und ich fühle mich schlecht.
Da ist eine tiefe Wut in mir.

Ich frage mich,
habe ich genug getan,
um meinen Freund zu schützen,
hätte ich mehr tun können?

Konnte man erahnen,
das sein Lebensraum zerstört wird?

Es fühlt sich falsch an, was hier in der Siedlung passiert.

Danke lieber Freund,
danke dass du mich so lange begleitet hast,
dank dafür,
dass ich meine Gedanken und meine Zeit mit dir teilen durfte.

Verzeih,
das wir dich nicht vor den Kettensägen schützen konnten.

Hoffentlich geht es dir woanders besser.

Mein Freund der Waldkauz ist weg…………

unbekannter Autor (Quelle alter Blog der Siedlung Am Steinberg (Danke für die Zusendung))

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Waldkauz aus Wikipedia

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