Von Fischen und anderem Getier

Nachdem heute Nacht der Mitschnitt des Live-Streams der gestrigen Reinickendorfer Bezirksverordnetenversammlung vom 14.10.2015 gesichtet wurde, ist es wieder an der Zeit, das Wort zu ergreifen.

 

Da proklamiert der Reinickendorfer Bezirksstadtrat Martin Lambert (CDU) völlig unverhohlen einen bevorstehen, brachialen Eingriff in die vorhandene Biodiversität der Siedlung Am Steinberg.

 

Als Antwort auf eine Anfrage der Bezirksverordneten Frau Hiller-Ewers (SPD), teilte der Baustadtrat Martin Lambert den anwesenden Bezirksverordneten, Besuchern und Vertretern der Presse, unter wohlwollendem Nicken aus den Reihen seiner Reinickendorfer CDU-Fraktion mit, dass es in der Kalenderwoche 43 weitere Baumfällungen in der Siedlung Am Steinberg geben wird.

 

Hierbei soll auch die traditionsträchtige Tanne der Familie Lenz an der Straße Kehrwider 1, nicht vor den Kettensägen und Häckslern verschont werden und wird geopfert. Jahrzehnte lang wurde diese Edel-Tanne zum Weihnachtsfest in einen strahlenden Lichterglanz verwandelt. Weit über die Grenzen der Siedlung Am Steinberg hinweg, war dieser Baum bekannt und jedes Jahr kamen Besuchergruppen, Kindergärten und Kirchenkreise um sich an dem Bild zu erfreuen. Ja, selbst die neue Eigentümerin der Siedlung Am Steinberg nutzt in ihrem Logo zur Vermarktung der Siedlung Am Steinberg, eine Tanne vor einer stilistischen Darstellung des Doppelhauses Kehrwieder 1 und 2.

 

 

 

Vorangegangen ist nach unserem Kenntnisstand eine Forderung/Antragstellung der Eigentümerin auf Entfernung zahlreicher Bäume in den Vorgärten der Siedlung Am Steinberg. Bereits vor rund 2 Wochen soll es eine Begehung, wohl zur Abstimmung der Fällmaßnahme in der Siedlung Am Steinberg gegeben haben, an derer Baustadtrat Martin Lambert (CDU) nebst einem Mitarbeiter aus dem Bezirksamt, ein Vertreter der Eigentümerin und zur Überraschung aller Beobachter, der Reinickendorfer Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen Herr Torsten Hauschild und sein Stellvertreter Hinrich Westerkamp teilnahmen. Schnell war man sich einig. Argumentiert wurde, das eine Vielzahl der zur Fällung vorgesehenen Bäume „nicht hierher gehören“. Gehören nicht hierher? Was soll das bedeuten? Will man hier eine gezielte Selektion/Säuberungsaktion vornehmen? Fürchtet man sich vor einer Verfremdung des Deutschen Baumgutes? Werden bald Schlachtrufe laut „Sitzt nicht unter Neophyten“ – „Ein Volk das seinen Garten von Neophyten freihält wird ewig leben“.

 

Schwachsinn! Ein Baum ist Leben, er schenkt uns Luft und Schatten, er bietet einer Vielzahl von Tieren Schutz und Lebensraum. Es gibt keine richtigen oder falschen Bäume. Jeder Baum ist schützenswert. Wenn es allerdings so wäre, dass man Reinickendorf eine Selektion vornehmen wolle, müsste man das Bezirksamt auffordern, den Reinickendorfer Bestand an Platanen, Ginkgos und den vielen anderen „nichtdeutschen“ Bäumen im Bezirk umgehend zu vernichten. Vorsorglich könnte man auch das Ordnungsamt einbinden, die im Bezirk ansässigen Gärtnereien zu observieren, da sich diese ja unter Umständen, unwissend als Schlepper bei der Einwanderung von unerwünschten Bioflüchtlingen aus dem Mittelmeerraum oder Asien betätigen.

 

Aber Spaß beiseite, vielmehr erscheint es so, als wenn der Baustadtrat Martin Lambert wieder einmal als Waffe im Jahre andauernden Kampf des Eigentümers um die Vermarktung der Siedlung Am Steinberg eingesetzt wird. Wir erinnern uns an die offenkundige Verweigerungshaltung bei der von der Bezirksverordnetenversammlung gewünschten Umsetzung einer Umstrukturierungsverordnung, der immer noch offenen Fragen zum Sozialplanverfahren des Bezirksamtes und dem zweifelhaften Versuch des Baustadtrates mit Unterstützung seines Ordnungsamtes eine Unterlassung der genehmigten Demonstrationen in der Siedlung Am Steinberg zu erwirken.
Vielmehr wird hier mit Unterstützung des Bezirkes durch lichten und ordnen von bestehenden Grünflächen ein Erscheinungsbild geschaffen, welches sich vergleichbar zu den gestellten Abbildungen in den Verkaufsofferten der Eigentümerin darstellt. Wurde doch schon auf der letzten Begehung die Neubepflanzung mit kleinen Buchsbaumhecken auf öffentlichem Straßenland, sprich, den Vorgärten der Siedlung angeregt.

 

Natürlich stellt sich hier die Frage, wer bezahlt das eigentlich alles. Davon ausgehend, wir sprechen hier von Straßenland und das hier das Gartenbauamt die Fällungen durchführen oder zumindest beauftragen wird, vermutlich der Steuerzahler. Nach dem millionenschweren Steuergeschenk, das durch die Sonderabschreibungen gemäß §§ 7 i / 10 f ff EStG den Käufern der denkmalgeschützten Häusern offeriert wird, vermutlich nur kleiner Betrag.

 

 

Was hatte das jetzt alles mit Fischen zu tun?
Wikipedia schreibt hierzu:

„Bückling

Ein Bückling, auch Bücking oder Pökling, ist ein gesalzener und bei über 60 °C geräucherter, (früher nicht ausgenommener) Hering mit Kopf. „

Allerdings verweist Wikipedia auch auf die Mehrdeutigkeit des Begriffes Bückling als Synonym für eine Verbeugung, im Volksmund auch als Kratzfuß bekannt. Der Kratzfuß ist eine devote Verneigung des Untertanen vor seinem Herrn.

Egal wie man es auch drehen und wenden mag,

“Der Fisch beginnt immer am Kopf zu stinken!”

 

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