Na so was – Miethai gefällt dieses Schild nicht

Quelle: Berliner Kurier vom 09. Mai 2014 – von Marcus Böttcher

Anni Lenz wohnt seit mehreren Jahrzehnten in der Siedlung.

Anni Lenz wohnt seit mehreren Jahrzehnten in der Siedlung.
Foto: Sabeth Stickforth

Na so was  – Miethai gefällt dieses Schild nicht

Tegel –  

Klein-Kleckersdorf kommt nicht zur Ruhe. Jetzt kuscht sogar die Politik vor dem Miethai. Denn dem passt eine KURIER-Schlagzeile nicht, die Oma Anni vergrößert vor ihre Tür stellte.

Doch von vorn: Im Januar berichtete der KURIER über die 93-jährige Anni Lenz, die an ihrem Geburtstag die Kündigung erhalten hat. Seit mehreren Jahrzehnten lebt sie in der Siedlung „Am Steinberg“, liebevoll Klein-Kleckersdorf genannt.

Der KURIER schrieb auf seiner Titelseite: „Schäm dich, du Miethai“.

Der Spruch ist zum Credo der zumeist älteren Bewohner geworden, die sich nach den schicken Sanierungen ihre Häuser nicht mehr leisten können. Bei einer Mieterin würde zwar auch (zwangsweise) die Wohnfläche wachsen, die Nettokaltmiete aber von 334,63 Euro auf 1.667,54 Euro steigen.

Um dem Kampf um ihr Zuhause öffentlich zu machen, vergrößerte Anni Lenz die KURIER-Schlagzeile und stellte sie im Januar in einem Aufsteller vor ihr Haus.

Doch das passt dem Eigentümer nun offenbar nicht. Am 6. Mai schrieb er an Anni Lenz und deren Sohn Hartmut, den Aufsteller bis zum 9. Mai zu entfernen.

Hartmut Lenz vor dem Aufsteller mit der KURIER-Schlagzeile.

Hartmut Lenz vor dem Aufsteller mit der KURIER-Schlagzeile.
Foto: Bernd Friedel

Begründung: „Die Eigentümerin hat gegen den Berliner Kurier bzw. den Berliner Verlag Unterlassungsansprüche geltend gemacht, weil durch die Berichterstattung Unwahrheiten verbreitet wurden. Der Verlag hat den Unterlassungsanspruch anerkannt.“ Von wegen.

Zwar hatte der Eigentümer versucht, dem KURIER die Bezeichnung „Miethai“ zu verbieten, konnte diesen Anspruch juristisch jedoch nicht durchsetzen. Das knapp über einen Meter hohe Schild scheint den Investor mächtig zu stören.

Mysteriös: Obwohl es schon seit fast vier Monaten dort steht, rief zeitgleich mit Eingang des Investorbriefes der für Bauen und Stadtentwicklung zuständige Reinickendorfer Bezirksstadtrat, Martin Lambert von der CDU, höchstpersönlich bei Familie Lenz an. Denn der Aufsteller mit der KURIER-Schlagzeile steht auf öffentlichem Land.

Hartmut Lenz: „Er behauptete, die zeitliche Nähe sei reiner Zufall, er hätte eine Dienstaufsichtspflicht gegenüber seinen Mitarbeitern.“

Auf Anfrage antwortete der Bezirksstadtrat dem KURIER nicht. Und das Schild? Das bleibt erst einmal stehen. Hartmut Lenz und seine Nachbarn wollen es bei der Polizei als „Dauer-Demonstration“ anmelden.

LINK:

http://www.berliner-kurier.de/kiez-stadt/na-so-was-miethai-gefaellt-dieses-schild-nicht,7169128,27069382.html

Erzähl es weiter .... Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Share on TumblrEmail this to someone